Bergauf im Mai

von Betty und Connie -2004-

Es war im Mai, an einem wunderschönen Frühlingstag. Beim gemütlichen Frühstück in der Morgensonne sinnierten wir mal wieder über die Schönheit der Insel und überlegten, wie wir den schönen Tag nutzen könnten. Strahlend blauer Himmel, die klare Frühlingsluft; ein Wetter welches geradezu aufforderte den Aufstieg zum 1019 m hohen Monte Capanne zu wagen. Aufstieg heißt: per pedes ! Wir, im Übrigen Betty und meine Freundin Connie, waren ja schließlich zum Wandern auf die Insel gekommen. Elba bietet nicht nur etwas für Strandflöhe und Wasserratten sondern auch ‘ne ganze Menge für das Landgetier.

Hmm, von Marina di Campo aus? Nicht, dass wir uns nicht fit fühlten, wir kommen ja schließlich aus Heidi-Land, aber dazu wird der Tag wohl nicht mehr ausreichen. Also entschlossen wir uns mit dem Auto rüber zur Talstation der Cabinovia bei Marciana zu fahren und von dort aus die Gipfelerstürmung vorzunehmen.

Mit dem Rucksack bepackt standen wir am Anfang des Weges und blickten in den bezaubernden Wald. Die Sonnenlichtreflexe und die Farben vermittelten uns den Eindruck in einem Märchenwald zu sein, hinter jedem Baum eine Fee erwartend. Es war traumhaft schön!

Nach einiger Zeit eröffneten sich die ersten Ausblicke auf Marciana und das Meer. Für uns als Schweizerinnen ein völlig neues Gefühl - wandern mit Meerblick! Traumhaft! Unser Blick schweifte mal nach unten ans Meer und, zugegeben mit etwas weniger Begeisterung, nach oben zum Gipfel, den wir ja noch erreichen wollten. Aber wir bissen uns durch.

Es wehte ein angenehmes Lüftchen, und so stiegen wir weiter und weiter und weiter. Im obersten Teil war es sehr anstrengend, wir kämpften mit großen Felsblöcken; und das Gepäck! Hatten wir nicht doch etwas zu viel eingepackt? Ganz schön steil, aber wir freuten uns schon auf etwas Trinkbares im "Rifugio" oben auf dem Berg.

Nach etwa 2 1/2 Stunden Aufstieg, war es geschafft, wir waren oben! Mega stolz waren wir auf uns. Nun aber endlich etwas zu Trinken aber das Rifugio war geschlossen. Logo, es war halt Mai “Maggio” und nicht “Luglio/Agosto”. Also mussten wir im Rucksack kramen und uns mit der Notration für unterwegs begnügen. Nun kamen wir zu dem Schluss, dass wir doch nicht zu viel eingepackt hatten.

Wir genossen unser Mahl sehr, denn wann speisten wir schon einmal bei einer solch herrlichen Aussicht. Einfach überwältigend.

Nachdem wir noch einige Zeit auf dem Massiv herumgekraxelt waren, um mal alle Aussichtsmöglichkeiten zu bewundern; ins Tal nach Pomonte, durch das Vallebuia nach Seccheto und nach Montecristo und Pianosa, sollte es an den Abstieg gehen. Abstieg? Wir schauten uns gegenseitig entgeistert an und beschlossen daraufhin spontan uns doch mit der Seilbahn talwärts zu bewegen.

Da wir uns ja einredeten, auch für den Abstieg noch fit genug zu sein, begründeten wir die Bahnfahrt damit, diese auch einmal kennenzulernen.

Auf dem Weg zur Station ahnten wir nichts gutes, denn die Gondeln der Cabinovia schienen still zu stehen. In der Tat, der Betrieb hatte Mittagspause, und das bis viertel vor drei. Naja, dort oben lässt es sich ja aushalten.

Im Lauf der Zeit stauten sich irgendwie die Wolken auf, sodass sie eine bedrohlich dunkelgraue Färbung annahmen. Wir hofften innigst,  dass es nicht ausgerechnet jetzt zu regnen beginnt. Der aufkommende Wind kühlte doch merklich ab. Irgendwie war es aber doch noch faszinierend, da wir ringsherum blauen Himmel und das sonnige Unten sahen.

Vielleicht waren es die Feen aus dem eingangs erwähnten Märchenwald, die die Tropfen in den Wolken ließen. Etwas später als angeschrieben, ganz nach südländischer Lebensart, bewegten sich die Gondeln. Nach einer weiteren Viertelstunde traf die ‘Bergmannschaft’ ein. Die Signori öffneten den Eingang und den Ticketschalter und wollten - schluck! - ganze neun Euro pro Person!

capanne2Da die Gondeln, ein rundes Rohrgestell, in dem zwei Personen stehen können, beim Ein- und Aussteigen nicht anhalten ist das Procedere etwas abenteuerlich, man muss auf Zack sein. Wir standen getrennt an den jeweiligen Markierungspunkten, bereit zum Start. Das Türchen wird vom mitlaufenden Personal aufgehalten und selbst muss man im entscheidenden Augenblick den Schritt in die Gondel wagen. Beide drin; knacks, die Tür ist zu und verriegelt und es geht abwärts.

Zum Glück hatten wir oben schon die Jacken angezogen, denn es wurden 16 eiskalte Minuten. Schade, denn die Fahrt hätte so schön sein können. Fast lautlos schwebten wir über die Felsen und die Bäume zu Tal. Die Talstation vor uns sehend erläuterten wir uns die beste Ausstiegsmöglichkeit ohne uns am Ende noch der Länge nach hinzulegen. Des Rätsels Lösung war ganz einfach, sofort nach Bodenkontakt ein paar Schritte weiterlaufen. Ein letzter Blick nach oben machte uns etwas traurig, denn wo waren die dunklen Wolken? Nun gut, ist halt in den Bergen so.

Dieser Tag im Mai war ein weiteres Highlight unseres einwöchigen Elbabesuchs. Der Monte Capanne ist absolut einen Besuch close_grey
wert, sei es zu Fuß oder mit der Cabinovia und natürlich schönem Wetter
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