Il conto per favore – die Zettelwirtschaft

von Reiner

Wir lasen einmal in der Zeitung, dass man sich in Italien beim Einkauf die Kassenzettel geben lassen soll und diese aufzubewahren.
Das ist ja eigentlich ganz sinnvoll und man macht es ja zu Hause auch, um einen Eigentumsnachweis zu haben sowie Garantieansprüche belegen zu können. Ungewöhnliches konnten wir diesem Hinweis nicht zuordnen. Dass wir auf bislang unbekannte Art und Weise mit diesem Thema konfrontiert werden sollten, ahnten wir nicht.

Wir sassen, wie so oft in einer Strandbar, schlürften unseren Cappuccino und aßen ein Dolce dazu. Dabei betrachteten wir Land und Leute. Uns fiel ein Uniformierter auf, der hemdsärmelig, die Hände hinter sich verschränkt, scheinbar ruhig dem Leben am Strand zusah. Er achtete wohl darauf, dass alles geordnet zuging.

Nach einer Weile gaben wir durch Handzeichen bekannt, dass wir bezahlen wollten. Der Kellner kam mit dem Kassenbon, nach jenem wir neuntausend Lire zu zahlen hatten. Einen Zehntausendliraschein auf den Tisch legend verdeutlichten wir durch ein freundliches "va bene !", dass der Rest Trinkgeld sei. Den Kassenbon zwischen Tasse und Untertasse klemmend erhoben wir uns und verließen die Bar.

Der Polizist stand immer noch dort und schaute. Als wir näher kamen, drehte er sich zu uns und verdeutlichte freundlich, dass er "il conto" sehen wolle. Während unseres momentanen sprachlosen Unverständnisses ob dieser Bitte war auch schon der Kellner herangeeilt, der die Situation wohl beobachtet hatte. Den Kassenzettel hatte er auch dabei. Der vermeintliche Polizist fragte uns dennoch, wieviel wir bezahlt hätten. Eben genau das, was auf dem Zettel stehe gestikulierte ich. Er schaute uns wie den Kellner kritisch an, gab uns den Kassenzettel, bedankte sich und ging, um sich ein paar Schritte weiter, wieder in Richtung Meer blickend, zu postieren.

Der Kellner lud uns zu einem weiteren Cappuccino ein und erklärte uns die Situation:

Der uns Kontrollierende war von der Guardia di Financia, also der Steuerbehörde. Er kontrolliere, dass von den Gastronomen die Steuer abgeführt werde. Aber was hat das mit uns zu tun?

Alle Einnahmen sollen über die Kasse geführt werden, um die Steuerzahlung zu registrieren. Wenn wir nun den Kassenzettel liegen ließen, wäre die Möglichkeit geschaffen eine Rückbuchung zu vollziehen, was natürlich niemand tun würde. Natürlich nicht ! bestätigten wir, ahnend was er damit andeutete. Einige seiner Kollegen würden sogar nur handgeschriebene Zettel ausstellen, erzählte er uns mit der Gestik, dass wir die Augen offen halten sollten.

Selbst das Trinkgeld müsse im Grunde genommen über die Kasse verbucht werden, da wir aber angaben, nur das bezahlt zu haben, was auf dem Beleg stand, fand keine weitere Diskussion statt. Aber noch einmal, was hat der Gast mit dem Ganzen zu tun?
Im italienischen Rechtssystem könne dem Gast die Mithilfe zur Steuerhinterziehung unterstellt werden, mit allen rechtlichen Konsequenzen.
Wir dachten zwar bei uns, dass im Ernstfall der Nachweis nicht so einfach zu erbringen sei und das ganze etwas übertrieben dargestellt wurde aber seitdem achten wir darauf für alles Bezahlte auch einen Bon zu erhalten, um möglichen Problemen vor allem im Urlaub vorzubeugen.

Il Conto per favore! den Kassenzettel bitte, ist somit eine häufige Formulierung geworden, und wenn es mal ohne geht, kennen wir wenigstens das Risiko aufgrund der Zusammenhänge.close_grey